Geschichte
Hecken haben eine lange Tradition. Das Wort „Hecke“ kommt von dem alt-deutschen Begriff „Hag“ und das bedeutet “Einzäunung von Flächen mit Sträuchern“. Noch heute tragen viele Ortsnamen die Endsilbe „hagen“, die auf diesen Zusammenhang hinweist.

Durch Pollenanalyse konnte die Wissenschaft bereits für die Bronzezeit auch heute noch bekannte Heckepflanzen nachweisen.

Schon in der Jungsteinzeit, als der Mensch sesshaft wurde und mit Ackerbau und Viehzucht begann, wurden Hecken angelegt, um Weideflächen von Äckern zu trennen und für das Vieh von der Außenwelt zu trennen. Seit Jahrhunderten sind Hecken prägende Landschaftselemente, die unseren Vorfahren Schutz, Nahrung und Holz boten. Durch die auf kleinen Flächen betriebene Landwirtschaft konnten Feldfluren entstehen, die reich mit verzahnten Biotopelementen ausgestattet waren, wobei die Hecken eine herausragende Bedeutung hatten.

In Dokumenten aus dem alten Ägypten und der Antike wurden Hecken schon ausführlich in der Gartengestaltung erwähnt. Die Römer bevorzugten zum Beispiel für Ihre Gärten Hecken aus Zypressen.

Im Mittelalter wurden Hecken als Umzäunung der Weiden innerhalb der Feldwirtschaft, zur Futtergewinnung und auch als Grundlage für Gerbstoffe verwendet. Typische in Mitteleuropa heimische Pflanzen für Hecken waren schon damals Hainbuche, Eibe, Knorpelkirsche, Liguster, Weißdorn und Berberitze.

Im Laufe der Jahrhunderte verloren Hecken in der offenen Landschaft ihre Bedeutung: durch die um sich greifende Flurbereinigung und der damit zu-sammenhängenden Intensivierung der Landwirtschaft und durch den Straßenbau verschwanden zahllose Hecken aus der Landschaft. Parallel dazu stieg ihre Verwendung als gartengestalterisches Element: In Klostergärten, in Barockgärten und in Bauerngärten wurden Hecken gerne als schmückende Abgrenzung oder als kleinwüchsiges Ornament verwendet. Diese so genannten Formhecken waren häufig streng in Form geschnitten. Auch aus heutigen Privatgärten sind Hecken nicht mehr wegzudenken, denn sie trennen einzelne Gartenräume voneinander, lenken die Optik in bestimmte Bahnen und fassen Pflanzengruppen ein. Ferner sind sie ein natürlicher Sonnen-, Wind- und Lärmschutz und bieten Lebewesen wie Insekten und Vögeln einen Lebensraum.

So ist also eine Aufgabe von Hecken in der Landschaft klar. Aber Hecken schützen auch vor Erosion und schnelle Austrocknung der Äcker.

 


Funktion und Aufgabe einer Hecke
Hecken üben eine stabilisierende Wirkung auf die sie umgebende Landschaft aus. Sie bilden Sicht- und auch ein wenig Schallschutz und werden von den Menschen optisch positiv aufgenommen.

Pflanzen
Die Kernzone im Zentrum besteht meist aus „Bäumen 2. Ordnung“. Zu ihnen zählen u. a. Feldahorn, Hainbuche, Salweide, Vogelbeere und Vogelkirsche.
Die sich anschließende Mantelzone ist der Standort lichtliebender Sträucher. Bekannte Arten sind Schwarzdorn, Weißdorn, Hundsrose, Hasel, Hartriegel, oder Holunder.
Den Abschluss nach außen bildet eine etwa 2 – 3 m tiefe Saumzone, welche in der Regel an landwirtschaftliche Nutzflächen oder Wege grenzt. Hier wachsen Gräser, Wildkräuter und Stauden, wie Vogelwicke, Hauhechel, Lab- und Kreuzkraut oder auch Mädesüß, Gilbweiderich und Weidenröschen, um nur einige zu nennen. Insgesamt sind etwa 600 (!) in Hecken vorkommende Pflanzenarten belegt.


Was kreucht und fleucht denn da in der Hecke?

Nicht weniger beeindruckend ist das nachgewiesene Tierartenspektrum. So gibt Blab (1993)  für Feldhecken die Zahl von 900 verschiedenen Tierarten an. Die weitaus meisten Arten sind Insekten. So leben zahlreiche Wildbienen-, Schlupfwespen-, Ameisen-, Mücken-, Fliegen-, Lauf- und Bockkäferarten in Hecken. In der blütenreichen Saumzone sind auffällig gefärbte Tagfalter (Kaisermantel, Kleiner Fuchs, Distelfalter, Tagpfauenauge und C-Falter) zu beobachten, während Blattläuse, Wanzen- und Zikadenarten eher versteckt in der Hecke leben. Neben den Insekten bewohnen noch etwa 60 verschiedene Spinnenarten diese Biotope.

Weitere Heckenbewohner sind :

Amphibien: Erdkröte, Grasfrosch, Laubfrosch

Reptilien: Schlingnatter, Blindschleiche, Zaun- und Waldeidechse

Vögel: Neuntöter, Raubwürger, Elster, Goldammer, Dorngrasmücke

Säuger: Iltis, Wiesel, Igel, Haselmaus, Waldmaus

Die Artenvielfalt der Saumbiotope resultiert aus den zahlreichen und ganz unterschiedlichen Lebensbedingungen. So bieten Hecken gleichermaßen Nahrung, Schutz, Brutmöglichkeiten und Überwinterungsquartier auf einem Raum. Hinzu kommt der sog. Grenzlinieneffekt, die Erhöhung der Artenzahl durch sich in den Randbereichen überschneidende Lebensräume. Diese Wirkung wird noch durch Biotopstrukturen verstärkt, worunter man Kleinstlebensräume versteht, die weiteren Arten das Überleben sichern. Dazu zählen u. a.
• Lesesteinhaufen,
• Totholz in jeder Form,
• Kleinstgewässer.

Biotopverbund
Hecken, als lineare Landschaftsstrukturen, sind besonders wertvolle Elemente in einem Biotopverbundsystem. Gerade in den häufig ausgeräumten „Kultursteppen“ erfüllen sie sehr wichtige Funktionen für wandernde Tierarten und ermöglichen den Genaustausch innerhalb der Arten. Die Vernetzung von Le-bensräumen kann aber nur funktionieren, wenn genügend Elemente in nicht zu weiter Entfernung voneinander existieren.

Heckentypen
Nach ihrer Struktur werden drei verschiedene Heckentypen differenziert:

Niederhecke: Besteht vorwiegend aus niedrigen Sträuchern, die etwa eine Höhe von 2 – 3 m erreichen.

Hochhecke: Im Zentrum stehende, bis 5 m hohe, Büsche werden beiderseits von niedrigen Sträuchern eingerahmt.

Baumhecke: Neben den genannten Schichten der Nieder- und Hochhecke, wird dieser Typ durch die Beimischung einzelner – meist im Zentrum stehender – Bäume gekennzeichnet.

Gefährdung
Durch die in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts durchgeführte Flurbereinigung und der damit zusammenhängenden Intensivierung der Landwirtschaft sind zahllose Hecken aus ganzen Landschaften verschwunden. Weitere Verluste entstanden durch Straßen- und Feldwegebau. Bis heute sind auch die verbliebenen Hecken z. B. durch den Maschineneinsatz in der Landwirtschaft, abdriftende Pflanzenschutzmittel oder das Abflämmen benachbarter Felder gefährdet.


Heckenneuanlage
Für die Neuanlage von Hecken bieten sich zwei Möglichkeiten an:

1) Die Pflanzung einheimischer, standortgerechter Baum- und Straucharten.
2) Die Anlage sog. Benjeshecken.

Dabei wird zunächst Baumschnitt (Äste, Zweige) wallartig im Bereich der zukünftigen Hecke aufgeschichtet. Dieser Totholzwall lockt Tiere an, welche die weitere Heckenbegrünung auf natürliche Art übernehmen (Vögel, in deren Kot sich Samen befinden; Kleinsäuger, die Samenvorräte in diese Verstecke tragen). Der Wildkrautsaum wird sich natürlicherweise einstellen.

 

Einige Naturräume sind aufgrund des Übergangs zur Großflächenbewirtschaftung in der Landwirtschaft stark ausgeräumt. Hier ist es ein Anliegen der Arbeitsgemeinschaft Biotop- und Eulenschutz Stemweder Berg e.V., diese monotonen Landschaften wieder zu strukturieren und Biotopverbundsysteme zu schaffen. In unserer bisherigen 20jährigen Arbeit pflanzten wir rund um den Stemweder Berg 46 Biotopschutzmaßnahmen auf ca. 26 ha, weitere sind in Planung. So beginnt sich durch die Feldflur ein Netzwerk aus Hecken, Alleen, Feldholzinseln, Streuobstflächen, Solitärbäumen und Grasgesellschaften zu spannen, Lebensraum für Tiere und Pflanzen, Pluspunkte im Eulenrevier.
Heckenpflege
Hecken sind durch menschlichen Einfluss entstandene Landschaftselemente, die sich in der natürlichen Vegetationsabfolge zu Wald entwickeln. Wenn also der typische Heckencharakter erhalten werden soll, sind regelmäßige Pflegearbeiten notwendig.
So müssen vorherrschende Bäume und Sträucher zurückgeschnitten werden und die Saumzone ist alle 3 – 5 Jahre zu mähen. Unter Beachtung naturschutzrechtlicher Bestimmungen sind diese Arbeiten nur in der Zeit vom 1. September bis Ende Februar erlaubt.

Oftmals sind Hecken stark überaltert und haben sich zu Baumreihen entwickelt oder sie haben sich weit in die landwirtschaftliche Nutzfläche hinein ausgebreitet. Dann ist es erforderlich, die Hecken zu pflegen, um ihre ursprüngliche Schutzfunktion wieder herzustellen. Da jede Hecke in Aufbau und Artenbestand anders ist, wird vor jeder Heckenpflegemaßnahme festgelegt, wie die Pflege zu erfolgen hat, welche Bäume in der Hecke zu belassen sind, welche Straucharten zu fördern sind usw.
Die Projekterarbeitung bis hin zur Antragstellung für die Fördermittel, die für diese Pflegemaßnahmen vom Land Niedersachsen zur Verfügung gestellt werden, übernimmt die AG Eulenschutz.

 

Schutz
Uns allen sollte an der Erhaltung und dem Schutz der Hecken gelegen sein. Jeder Gartenbesitzer kann dazu beitragen, indem er Hecken aus heimischen Strauch- und Baumarten anlegt und fördert. So finden zahlreiche Tierarten auch in den Siedlungsbereichen Nahrung, Schutz und Brutraum. Insekten, Vögel und Kleinsäuger (z. B. Igel) werden so begünstigt und können im Gegenzug viele Gartenschädlinge eliminieren.

Übrigens stehen Hecken und Gebüsche unter dem besonderen Schutz des Naturschutzgesetzes.

 


Die Stiftung Kulturlandpflege hat mit Unterstützung der Niedersächsischen Umweltstiftung eine Broschüre herausgegeben, die über die ökologische Bedeutung von Hecken und die verschiedenen Pflegetechniken informiert.

 

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